Eigenbau-Digi­­ta­­li­­sie­rung von Prozessen

Immer öfter werden Themen wie No-Code, Low-Code, Vibe Coding und Ähn­li­ches dis­ku­tiert – unter anderem auch hier bei LinkedIn. Kurz­ge­fasst ist die Message, dass selbst Personen, welche keine Ahnung von Soft­ware­ent­wick­lung haben, selb­stän­dig Appli­ka­tio­nen für sich, ihr Unter­neh­men oder Abtei­lun­gen erstel­len und somit Prozesse auto­ma­ti­sie­ren können.

Von was ist die Rede? Eine kurze Einordnung…

No-Code, Low-Code und Vibe Coding beschrei­ben unter­schied­li­che Ansätze, um Software schnel­ler und mit weniger klas­si­scher Pro­gram­mie­rung zu erstellen.

- No-Code ermög­licht es, Anwen­dun­gen voll­stän­dig ohne Pro­gram­mie­rung zu bauen. Statt Code zu schrei­ben, werden Funk­tio­nen über gra­fi­sche Ober­flä­chen, Drag-and-Drop-Elemente und vor­de­fi­nierte Bau­steine zusammengestellt.

- Low-Code funk­tio­niert ähnlich, erlaubt aber zusätz­lich punk­tu­elle Programmierung.

- Vibe Coding ist ein noch jüngerer Begriff und beschreibt die Ent­wick­lung von Software mithilfe von KI-Assis­­ten­­ten. Anstatt selbst Code zu schrei­ben, beschreibt man der KI in natür­li­cher Sprache, was die Anwen­dung können soll, und lässt sich den Code generieren.

So weit, so gut.

Diese Ansätze sind toll und können die Ent­wick­lung von Software unheim­lich ver­ein­fa­chen und beschleu­ni­gen. Werden die dazu­ge­hö­ri­gen Werk­zeuge wie n8n, Power Automate, Node oder KI-Tools wie Claude, Gemini & Co. durch Mit­ar­bei­tende ohne ent­spre­chen­des Wissen in der Soft­ware­ent­wick­lung ein­ge­setzt, lauern wesent­li­che Gefahren!

Wo wird es gefährlich?

Bei einem klas­si­schen Software-Projekt werden typi­scher­weise die Anfor­de­run­gen aus dem Business auf­ge­nom­men, ein Konzept erstellt und sich Gedanken zu Schnitt­stel­len und Cyber-Risiken gemacht.

Bei No-Code etc. fällt dies meist weg – es wird einfach mal getestet und ver­bes­sert. Der Ent­ste­hungs­pro­zess wird so wesent­lich agiler, was jedoch auch Risiken birgt, welche für ein Unter­neh­men exis­tenz­ge­fähr­dend sein können.

Der Einsatz von Low-Code, No-Code oder Vibe Coding durch Personen ohne Sof­t­­wa­re­en­t­­wick­­lungs-Erfah­rung kann durchaus sinnvoll sein – er bringt aber auch einige nicht zu unter­schät­zende Risiken mit sich.

Hier die wich­tigs­ten Gefahren

1. Schatten-IT entsteht schnell

Wenn Fach­ab­tei­lun­gen selbst Anwen­dun­gen bauen, ent­ste­hen Lösungen oft aus­ser­halb der offi­zi­el­len IT-Struk­­tu­­ren. Diese Systeme sind weder doku­men­tiert noch zentral ver­wal­tet. Fällt die ver­ant­wort­li­che Person aus oder verlässt das Unter­neh­men, weiss häufig niemand mehr genau, wie die Lösung funktioniert.

2. Fehlende Wartbarkeit

Viele Lösungen funk­tio­nie­ren zunächst erstaun­lich gut – solange sie klein bleiben. Sobald Anfor­de­run­gen wachsen oder Ände­run­gen nötig werden, zeigt sich oft, dass Struktur, Archi­tek­tur und Doku­men­ta­tion fehlen. Was als schnelle Lösung gestar­tet ist, wird dann schwer wartbar.

3. Sicher­heits­ri­si­ken

Personen ohne Software- oder IT-Sicher­heits­­­wis­­sen berück­sich­ti­gen Themen wie Zugriffs­kon­trol­len, Daten­ver­schlüs­se­lung oder sichere Schnitt­stel­len oft nicht aus­rei­chend. Gerade wenn sensible Unter­neh­mens­da­ten ver­ar­bei­tet werden, kann das ein erheb­li­ches Risiko darstellen.

4. Daten- und Compliance-Probleme

Selbst gebaute Anwen­dun­gen greifen häufig auf ver­schie­dene Daten­quel­len zu. Ohne klares Daten­mo­dell oder Gover­nance ent­ste­hen schnell Inkon­sis­ten­zen, doppelte Daten­be­stände oder Ver­stösse gegen Com­­pli­­ance-Vorgaben (z.B. Datenschutz).

5. Ska­lie­rungs­pro­bleme

Viele Low-Code- oder No-Code-Lösungen funk­tio­nie­ren gut für kleine Prozesse oder Teams. Werden sie plötz­lich von vielen Nutzern ver­wen­det oder in kri­ti­sche Geschäfts­pro­zesse inte­griert, stossen sie tech­nisch oder orga­ni­sa­to­risch an ihre Grenzen.

6. Tech­ni­sche Abhän­gig­kei­ten (Vendor Lock-in)

Viele Platt­for­men sind stark an einen Anbieter gebunden. Wird die Platt­form teurer, ein­ge­stellt oder ver­än­dert ihre Stra­te­gie, kann es schwie­rig oder teuer werden, die Lösung zu migrieren.

7. Trü­ge­ri­sche Einfachheit

Die grösste Gefahr liegt oft in der Wahr­neh­mung: Weil Tools einfach aussehen, wird unter­schätzt, wie komplex saubere Soft­ware­ent­wick­lung eigent­lich ist – ins­be­son­dere bei Archi­tek­tur, Tests, Ver­sio­nie­rung und Betrieb.

Fazit

Low-Code, No-Code und KI-gestützte Ent­wick­lung können enorme Pro­duk­ti­vi­täts­ge­winne bringen. Ohne klare Gover­nance, Ein­bin­dung der IT und grund­le­gen­des Ver­ständ­nis für Soft­ware­ent­wick­lung ent­ste­hen jedoch schnell neue tech­ni­sche Schulden – nur diesmal aus­ser­halb der IT.Mein Fazit: Die Ent­wick­lung ist fan­tas­tisch und macht vieles ein­fa­cher, schnel­ler und güns­ti­ger. Lasst uns aber die gespar­ten Res­sour­cen nicht später in Cyber-Schäden wieder aufwenden.

Inter­es­siert, wie diese Ansätze im eigenen Unter­neh­men zur Pro­zess­au­to­ma­ti­sie­rung und Digi­ta­li­sie­rung ein­ge­setzt werden können… kon­tak­tie­ren sie mich für einen Gedankenaustausch.